Experiment „Auszeit“ – Gibt es eine Online-Existenz nach Facebook?

Heut war es dann mal soweit. Nachdem ich schon vor längerer Zeit mein ältestes Online-Profil bei einem Chat-Anbieter gelöscht hatte (das Niveau nahm langsam aber sicher Jappy oder Knuddels Niveau an und diente eigentlich nur noch ab und an einer gewissen gruseligen Belustigung) und vor einigen Wochen meine Präsenz auf MeinVZ gelöscht hatte, hab ich heute meine Facebook Account vorerst deaktiviert.

Ich war dort generell nicht der aktivste Netzwerker. Vielmehr habe ich dort vor allem mit Menschen Kontakt behalten, die ich aus dem „Real Life“ kannte. Man kann sagen über 95% meiner Facebook Kontakte waren alte Schulfreunde oder Bekannte. Kontaktanfragen von Personen die ich nur flüchtig oder gar nicht kannte oder mit denen ich mich in keinster Weise verbunden fühlte, habe ich generell ignoriert. Somit war mir dieser Aspekt des Networking-Kontakte finden/knüpfen/ausbauen, den viele auf Facebook nutzen, sowieso verschlossen. Irgendwo war mir die Grenze zu meinem „Privatleben“ auf Facebook noch zu durchlässig und ich hege generell eine gewisse Skepsis davor, Online-Bekannte zu „nahe“ an mich heran zu lassen. War schon immer so, wird wohl auch so bleiben (deswegen ist sowas wie Hangout oder der neue Videochat von Facebook eh nicht so das Zugpferd für mich).

Aber grade dieser letzte „Kontakt halten“ – Aspekt ging immer weiter verloren. Viel mehr als Geburtstagserinnerungen, dämliche Umfragen oder noch dämlichere Spieleanfragen kamen dort in den letzten Wochen und Monaten quasi gar nicht mehr zustande. Und die paar Casual-Games die ich da noch ab und zu gezockt hab (eigentlich nur Bejeweled Blitz) kann ich auch anderweitig im Netz kompensieren.

So habe ich heute die Konsequenz gezogen, die leidige „wir werden dich vermissen“ Meldung ignoriert, und mein Konto stillgelegt.

Gelöscht ist erstmal noch nix und das Konto kann jederzeit im „alten“ Zustand reaktiviert werden. Aber erstmal werde ich mal schauen wie sich das so anfühlt, nicht mal „eben kurz“ bei Facebook reinzugucken, nur um festzustellen, dass sich gar nichts getan hat.

Meinen Blog kann ich dementsprechend darüber auch nicht promoten, allerdings legen die Zugriffszahlen den Verdacht nahe, dass sich das eh nicht so großartig bemerkbar machen wird. Wahrscheinlich ist hier die Zugkraft vom Google+ dank einer definierteren Zielgruppe sogar noch größer als sie bei Facebook je war.

Ich werde sehen und ggf. davon berichten.

Derweil bin ich also noch zu finden bei Google+

P.S. The „Man in the Box“ hat so ziemlich alle auch auf mich zutreffenden Pros und Cons von Facebook in diesem Video zusammengefasst 😉

  1. Es liegt doch an jedem selbst, ob es für ihn eine Online-Existenz nach Facebook gibt, so auch an Dir. Ich habe mir Deinen Beitrag in Deinem Blog sehr aufmerksam durchgelesen und bin leicht angenervt, denn auch Du – so scheint es – erwartest, ja was denn?, dass es ein System gibt, das voll auf Deine Bedürfnisse zugeschnitten ist? Du hast Kontakte mit FB-Usern ignoriert, nur den Kontakt mit denen gepflegt, die Du eh schon kanntest. Du beklagst Dich darüber, dass in FB nichts los sei. Nun, wenn ich nicht das finde, was mich interessiert, kann ich die Segel streichen und gehen, was Du ja nun getan hast, oder mich auf den Weg machen und versuchen, meine Interessen einzubringen und zu schauen, was passiert. Dazu benötigt man – so meine ich – allerdings auch die Meinungen derer, die man nicht an sich heranlassen möchte, wobei man ja auch hier entscheidet, wie weit man jemanden an sich heran lassen möchte. Ich fürchte, dass sich das hier auf google + ähnlich gestalten wird. Derzeit ist alles was mit Net zu tun hat das einzig wichtige Thema und ich muss gestehen, mich nervt es, da andere User mit andern Interessen ausgegrenzt werden. Also versuche ich meine Interessen hier zu finden und als Beiträge einzustellen, wohl wissend, dass das hier die anwesenden User nicht interessiert, da sie derartig abgehoben sind auf ihrer eigenen Schiene, dass sie gar nicht mehr merken, dass sie hier bei google + eben auch nur eine kleine Gruppe sind. Gut, muss ich akzeptieren, dass es Gruppen mit anderen Interessen gibt, also suche ich mir User, die ähnliche Interessen haben wie ich. Gestaltet sich derzeit nicht ganz leicht, da google + ja noch eine geschlossene Gesellschaft ist, und ich hoffe, nicht mehr lange. Und hier kann man – und das ist sehr positiv, unterscheiden zwischen Bekannten, Freunden, interessanten Menschen,kann entscheiden, wer welche Beiträge bekommen soll und wer nicht. Ich kann Usern folgen, deren Beiträge mich interessieren, weil ich bestimmte Dinge, die mir fremd sind dort erfahren kann. Mit denen ich aber weder bekannt noch befreundet sein muss etc. und das vereinfacht die Handhabung ,und mit wem ich entsprechend Kontakt haben kann und möchte, erheblich. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass man nach einiger Zeit genau die Reaktionen auf Beiträge, die Art der Beiträge usw. vorhersehen kann und es fängt an langweilig zu werden. In solchem Fall ist wohl eine generelle Auszeit angebracht, um den nötigen Abstand zu dieser Art der Kommunikation zu bekommen. Insofern finde ich Deine Auszeit bei FB gut, aber google + wird nur dann eine Alternative sein, wenn man bereit ist, seine Interessen zu verfolgen und sich mit einzubringen und dass nicht nur bei Menschen, die man sehr gut kennt und somit auch die Ansichten, Aussagen etc. einschätzen kann.

    Das was ich hier jetzt einbringe, muss nicht zwingend alles auf Dich zutreffen, fiel mir nur ganz spontan ein, nachdem ich Deinen Beitrag gelesen hatte und je mehr ich nun hier schreibe,desto mehr merke ich, dass auch ich mir den Schuh all dessen anziehen kann, was teilweise in Deinem Beitrag geschrieben steht und was mir gerade eben beim Schreiben durch den Kopf gegangen ist und wo ich mich gut wiederfinden kann.

    Das war’s, nichts für ungut, ich denke, Du weißt all das was ich geschrieben habe allein, aber irgendwie ist mein Frust, der sich so langsam über die User bei google + aufbaut mit ihrem ständigen gemotze über FB. Keiner muss da bleiben, aber wenn ich dableibe oder über lange Zeit dort war, muss es nicht zwangsläufig an all den anderen doofen Usern bei FB liegen, das alles nur noch nervig und unter meinem Niveau ist. Es könnte doch auch ganz einfach sein, dass man sich selbst verändert hat und aus den FB-Schuhen herausgewachsen ist, was aber kein Grund sein sollte, FB und seine User nur noch negativ zu beschreiben.

    Gruß aus Hamburg
    Gisela

      • admin
      • Jul 12th. 2011 10:59pm

      Hallo Gisela,
      also zunächst einmal „wow“ der längste Kommentar bisher. Aber ich muss dich ein bisschen korrigieren. Ich bin keineswegs „genervt“ von Facebook und „erwarte“ dass es voll auf mich zugeschnitten ist. Und beklagt, dass nichts los sei, hab ich mich auch zu keiner Zeit. Ich bin mir durchaus bewusst, dass jedes soziale Netz, ob jetzt virtuell oder im echten Leben, einem nur das bieten kann, was man auch zulässt. Da aber meine spezielle, selbst gewählte Nutzung von Facebook mir selber irgendwie keinen Spass oder Mehrwert mehr gebracht hat, habe ich mich dazu entschlossen, das Konto zu schliessen. Google+ ist selber noch viel zu neu als dass ich mir eine Prognose erlauben würde, wie sich das da entwickelt. Es gibt jetzt schon viele Sachen,die verbessert werden können und sollten, aber schon jetzt finde ich Art und Weise wie man seine Kontakte organisieren kann sehr viel übersichtlicher und logischer als bei Facebook. Auch da kann man mit Listen arbeiten, aber das fand ich zu „kontra-intuitiv“. Ich geb da auch niemandem die Schuld für, die Nutzung/Nichtnutzung von Facebook war meine eigene bewusste Entscheidung.
      Vielleicht als kleine Klarstellung meiner Position. Und der Titel ist bewusst „polemisch“ gehalten, da Facebook ja quasi noch als „Königsdisziplin“ der Social Networks bzw. *die* virtuelle Visitenkarte vieler Menschen ist. Der Quasi-Standard sozusagen.

      • Hi,hi, nein, ich war beim Lesen Deines Beitrags etwas angenervt, aber im Verlauf meiner Antwort habe ich festgestellt, dass viele meiner Gedanken in der Antwort an Dich ebenfalls auf mich zu treffen. Dazwischen sind einfach Überlegungen, die mir durch Deinen Artikel kamen wie: Was lass ich für mich zu, wie bringe ich mich ein, was will ich wirklich nutzen von den Angeboten und was nutze ich davon. Mein Genervtsein bezog sich eigentlich mehr auf die User bei google, die ins gelobte Land getreten zu sein scheinen und nun nur noch Kritik an FB üben. Wenn mich etwas bei FB nervt, ändere ich es für mich und ich bin damit ganz gut gefahren. Google + ist neu, aber auch hier lebe ich mich langsam ein – die Kreise helfen viel, da ich sie mir so einrichte und sie so benenne, wie ich es brauche. Noch nutze ich beides.

        Da ich mich selten kurz fassen kann :-))) werde ich hier meine Antwort schließen, denn Ideen hätte ich noch genug :-))))

        Einen schönen Tag und Grüße aus Hamburg

    • Mac
    • Jul 12th. 2011 11:42pm

    Ich kann dir da zustimmen. Facebook ist mehr und mehr eine Sammlung von belanglosem Kram.

    • Frank
    • Jul 14th. 2011 8:06pm

    Hi,

    diesen Schritt bin ich auch vor ca. 8 Wochen gegangen.
    Und vor 4 Wochen hab ich mich dann endgültig bei Facebook abgemeldet.
    Ich persönlich vermisse nichts.
    Vorgestern hab ich mich dann auch bei WkW abgemeldet.
    Mir gibt das alles nichts, hab’s probiert und für unnötig befunden.

    Grüße aus Hessen

    ja, auch da wird dein Blog gelsesen 😉

  2. Hey du,..

    meinen Facebook-Account habe ich vor mittlerweile langer Zeit gelöscht, Google+ vor 2 Tagen. Soziale Netzwerke in dieser Form benötige ich nicht. Offline-Bekanntschaften sind um vieles wertvoller als jene virtuellen Netze.

    Ein weiterer Punkt für mich: Ich habe keinen Bedarf daran. Netzwerke wie diese beiden bereichern mein Leben in keiner Weise. Die Entscheidung viel leicht und sah in der Praxis ehr unspektakulär aus. Gelöscht und nie wieder dort gewesen.

    Folgen? Keine! Das ist der gute Punkt.
    Eine andere Seite: Erst wenn man dort weg ist merkt man wie Nicht-User ausgegrenzt werden. Man erfährt überrascht von einer Party von Freunden auf der man selbst nicht eingeladen war. Begründung: Du bist ja nicht bei FB – da kann ich dich ja nicht einladen. Soziale Netzwerke fördern aus meiner Sicht Intoleranz und Ignoranz gegenüber der Individualität anderer.

    Beispiele hierfür gibt es viele:
    – Firmen geben Sonderangebote, Gewinne und Rabatte wenn man Fan von Ihnen auf FB wird.
    – Nachrichten die man gern lesen würde verstecken sich oft im abgeschlossenem Bereich der Netzwerke.
    – Es gibt Blogs und Seiten, in denen man gern ein Kommentar hinterlassen möchte, oder einfach nur ein Zeichen setzen „Hey gefällt mir“ aber ohne G+ oder FB Account ist dies nicht möglich.

    Ausgrenzen leicht gemacht.

    Es gibt ein Leben ohne diese Netzwerke. Ich kann die nicht sagen, ob es reicher öder öder für dich ist, für mich ist es wie mit diesen Netzen. Vermutlich sogar mit weniger Müll. :-)

    Liebe (dunkle) Grüße – blue-matrix

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